Glossar
Fachbegriffe und Wörter aus der Community – kurz und ohne Fachchinesisch erklärt. In unseren Artikeln kannst du diese Begriffe antippen, um die Erklärung direkt zu sehen.
A
- ADHS
- Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Betrifft die Steuerung von Aufmerksamkeit, Aktivität und Impulsen; beginnt in der Kindheit und besteht oft bis ins Erwachsenenalter.
- ADS
- Umgangssprachlich für ADHS ohne ausgeprägte Hyperaktivität. Fachlich heißt das heute „ADHS, vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild“.
- Asperger-Syndrom
- Frühere Bezeichnung für Autismus ohne Verzögerung der Sprachentwicklung und ohne Intelligenzminderung. Im ICD-11 und DSM-5 im Autismus-Spektrum aufgegangen; in Deutschland wird noch nach ICD-10 kodiert.
- AuDHS
- Community-Begriff für Menschen, die sowohl autistisch sind als auch ADHS haben. Keine eigene Diagnose – beide werden getrennt festgestellt.
- Autismus-Spektrum
- Sammelbegriff für autistische Ausprägungen. Früher getrennte Diagnosen wie Asperger-Syndrom oder frühkindlicher Autismus gehören heute zu einem gemeinsamen Spektrum.
- Autistischer Burnout
- Lang anhaltende Erschöpfung (meist über drei Monate) mit Verlust von Fähigkeiten und geringerer Reiztoleranz – Folge dauerhafter Überforderung. Keine offizielle Diagnose.
C
- Camouflaging
- Fachbegriff aus der Forschung für Masking und verwandte Strategien wie Kompensieren und Anpassen.
D
- DSM-5
- Das US-amerikanische Diagnosehandbuch für psychische Störungen. Seit 2013 dürfen danach Autismus und ADHS gleichzeitig diagnostiziert werden.
E
- Eingliederungshilfe
- Sozialleistung, damit Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung am Leben in der Gesellschaft teilhaben können.
- Emotionsregulation
- Die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen und ihre Stärke zu steuern. Bei ADHS oft erschwert.
- Exekutive Funktionen
- Geistige Steuerungsfähigkeiten wie Planen, Anfangen, Umschalten, Arbeitsgedächtnis und Selbstkontrolle. Bei ADHS häufig beeinträchtigt.
G
- GdB
- Grad der Behinderung (20 bis 100). Ab 50 gilt man als schwerbehindert und erhält einen Ausweis. Wird beim Versorgungsamt beantragt.
H
- Hyperfokus
- Ein Zustand sehr tiefer, schwer zu unterbrechender Konzentration auf ein Thema. Von vielen Menschen mit ADHS beschrieben, wissenschaftlich aber noch wenig untersucht.
I
- ICD-10-GM
- Die in Deutschland derzeit gültige Version der internationalen Klassifikation der Krankheiten. Danach werden Diagnosen kodiert und abgerechnet.
- ICD-11
- Die neue internationale Klassifikation der WHO, seit 2022 gültig. In Deutschland noch nicht eingeführt; ein Termin steht nicht fest.
L
- Low Demand
- Ein Ansatz, bei dem Anforderungen bewusst reduziert und Druck herausgenommen wird, damit Sicherheit und Kooperation entstehen können. Häufig bei PDA empfohlen.
M
- Masking
- Das bewusste oder unbewusste Verbergen neurodivergenter Eigenschaften, um nicht aufzufallen – zum Beispiel einstudierter Blickkontakt. Kann viel Kraft kosten.
- Meltdown
- Eine heftige, nicht willentlich gesteuerte Reaktion auf Überlastung – nach außen sichtbar, etwa Weinen oder Schreien. Kein Wutanfall und keine Absicht.
N
- Nachteilsausgleich
- Anpassung der Bedingungen in Schule, Studium oder Prüfung (zum Beispiel mehr Zeit oder ein ruhiger Raum), ohne die Anforderungen selbst zu senken.
- Neurodivergent
- Beschreibt einen Menschen, dessen Gehirn deutlich anders wahrnimmt, denkt oder lernt, als es die gesellschaftliche Norm erwartet – etwa bei Autismus oder ADHS.
- Neurodiversität
- Die natürliche Vielfalt aller menschlichen Gehirne – neurotypische eingeschlossen. Eine Gruppe kann neurodivers sein, ein einzelner Mensch ist neurodivergent oder neurotypisch.
- Neurodiversitäts-Paradigma
- Die Sichtweise, dass neurologische Unterschiede natürliche menschliche Vielfalt sind und Behinderung auch durch eine unpassende Umwelt entsteht.
- Neurominorität
- Eine Gruppe von Menschen, die eine bestimmte Form von Neurodivergenz teilen, zum Beispiel autistische Menschen.
- Neurotypisch
- Beschreibt Menschen, deren Wahrnehmung und Denken der gesellschaftlich erwarteten Norm weitgehend entsprechen.
- Notenschutz
- Abweichung von der normalen Leistungsbewertung, zum Beispiel Verzicht auf die Bewertung der Rechtschreibung. Muss oft im Zeugnis vermerkt werden.
P
- PDA
- Pathological Demand Avoidance: ein beschriebenes Muster ausgeprägter, angstgetriebener Vermeidung alltäglicher Anforderungen. Keine anerkannte Diagnose; wissenschaftlich umstritten.
- Psychoedukation
- Verständliche Aufklärung über eine Diagnose – was sie bedeutet, was hilft. Soll laut ADHS-Leitlinie grundsätzlich angeboten werden.
R
- Reizüberflutung
- Zustand, in dem mehr Sinneseindrücke ankommen, als das Nervensystem gerade verarbeiten kann. Englisch: Sensory Overload.
- RSD
- Rejection Sensitive Dysphoria: ein Erfahrungsbegriff für starke emotionale Reaktionen auf (vermutete) Ablehnung, oft im Zusammenhang mit ADHS genannt. Keine Diagnose, kaum erforscht.
S
- S3-Leitlinie
- Die höchste Qualitätsstufe medizinischer Leitlinien in Deutschland: systematisch recherchiert und im Konsens vieler Fachgesellschaften entstanden.
- Schulbegleitung
- Eine Person, die ein Kind im Unterricht unterstützt. Wird meist als Eingliederungshilfe beim Jugend- oder Sozialamt beantragt.
- Shutdown
- Eine nach innen gerichtete Reaktion auf Überlastung: Rückzug, Verstummen, kaum noch handeln können. Keine formale Definition, aber ein häufig beschriebenes Erleben.
- Spezialinteresse
- Ein intensives, lang anhaltendes Interesse an einem Thema, wie es viele autistische Menschen haben. Oft eine Quelle von Freude und Expertise.
- Spoon Theory
- Bild von Christine Miserandino (2003), ursprünglich für chronische Krankheiten: Jeder Tag startet mit einer begrenzten Zahl „Löffel“ Energie; jede Anforderung kostet welche. Wird auch in der neurodivergenten Community genutzt.
- SPZ
- Sozialpädiatrisches Zentrum: interdisziplinäre Einrichtung für die Diagnostik und Behandlung von Kindern, meist mit Überweisung.
- Stimming
- Selbststimulierende, oft wiederholte Bewegungen oder Geräusche wie Wippen, Hände bewegen oder Summen. Hilft vielen, sich zu regulieren.
Darüber reden, mit Menschen, die es kennen
Im geschützten Bereich von Neuroknoten tauschen sich Betroffene und Familien aus – ohne Druck und ohne Wertung.