Leichte Sprache

ADHS verstehen

ADHS ist eine Abkürzung.
Bei ADHS geht es um Aufmerksamkeit, Unruhe und Impulse.
ADHS fängt in der Kindheit an.
Bei vielen Menschen bleibt ADHS auch im Erwachsenen-Alter.

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Was ist ADHS?

ADHS ist die Abkürzung für:
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung.
Das ist ein sehr langes Wort.

Bei ADHS geht es vor allem um 3 Dinge:

  • Aufmerksamkeit
    Bei einer Sache bleiben ist schwer.
    Oder von einer Sache zur nächsten Sache wechseln.
  • Unruhe
    Der Körper ist unruhig.
    Oder die Gedanken sind unruhig.
    Das Fach-Wort ist: Hyper-Aktivität.
  • Impulse
    Man macht etwas sofort.
    Und man denkt erst danach nach.

Oft sind auch diese Dinge schwer:
Planen.
Anfangen.
Aufgaben ordnen.

Wichtig:
Viele Menschen mit ADHS können sich bei spannenden Themen sehr lange konzentrieren.
Das Wort dafür ist: Hyper-Fokus.
Viele Menschen erzählen davon.
Aber die Wissenschaft hat Hyper-Fokus erst wenig untersucht.
Für die Diagnose ADHS zählt Hyper-Fokus nicht.5

Drei Formen von ADHS

Fach-Leute unterscheiden 3 Formen von ADHS.1

  • Vor allem Probleme mit der Aufmerksamkeit
    Viele sagen zu dieser Form auch: ADS.
    Die Menschen wirken oft verträumt.
    Oder vergesslich.
    Oder sie sind schnell erschöpft.
    Diese Form fällt weniger auf.
    Darum merkt man diese Form oft erst später.
  • Vor allem Unruhe und Impulse
    Man sieht die Unruhe.
    Die Menschen reden oft dazwischen.
    Warten ist schwer.
  • Beides zusammen
    Beide Dinge sind deutlich da.

Die Form kann sich im Lauf vom Leben verändern.

In Deutschland schreiben Ärzte und Ärztinnen die Diagnose als Code auf.
Zum Beispiel: F90.0
Die Codes kommen aus einer Liste.
Die Liste heißt: ICD-10-GM.
Die Welt-Gesundheits-Organisation hat schon eine neue Liste eingeführt.
Die neue Liste heißt: ICD-11.
In Deutschland benutzt man aber weiter die alte Liste.1,6

Wie oft gibt es ADHS?

Hier stehen Prozent-Zahlen.
Prozent bedeutet: von 100.
8 Prozent heißt also:
8 von 100.

Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt
Eine große Übersichts-Arbeit aus dem Jahr 2023 sagt:
Ungefähr 8 Prozent haben ADHS.
Eine Übersichts-Arbeit fasst viele Studien zusammen.
Ältere Schätzungen sagen:
Ungefähr 5 Prozent haben ADHS.1

Kinder und Jugendliche in Deutschland
Es geht um Kinder und Jugendliche von 3 bis 17 Jahren.
4,4 Prozent haben eine ADHS-Diagnose.
Das sind etwas mehr als 4 von 100.
Das haben die Eltern bei einer Befragung gesagt.2

Erwachsene auf der ganzen Welt
Ungefähr 2,6 Prozent haben weiter ADHS.
Das sind ungefähr 2 bis 3 von 100.3

Erwachsene in Deutschland
Eine Studie hat Erwachsene in Deutschland untersucht.
Das Ergebnis:
Von 40 bis 59 Jahren haben 3,1 Prozent ADHS.
Von 60 bis 80 Jahren haben 2,1 Prozent ADHS.1

Die Zahlen sind verschieden.
Das liegt an den Methoden.
Methode bedeutet hier:
So untersucht man.

Immer mehr Erwachsene in Deutschland bekommen die Diagnose ADHS.
Das zeigen Daten aus der Abrechnung von Arzt-Besuchen.7

  • Im Jahr 2015 haben 8,6 von 10 Tausend Erwachsenen neu die Diagnose bekommen.
  • Im Jahr 2024 haben 25,7 von 10 Tausend Erwachsenen neu die Diagnose bekommen.

Das ist ungefähr 3-mal so viel.
Am stärksten ist die Zahl bei Frauen unter 40 Jahren gestiegen.7
Viele Erwachsene erfahren also erst spät:
Ich habe ADHS.

Woher kommt ADHS?

ADHS ist stark erblich.
Erblich bedeutet:
Es hat viel mit den Genen zu tun.
Die Gene bekommt man von den Eltern.

Fach-Leute haben dafür Zwillinge untersucht.
Das Ergebnis:
Die Erblichkeit liegt bei ungefähr 74 Prozent.
Das ist ein Mittel-Wert aus vielen Studien.4

Achtung:
Die Zahl bedeutet nicht:
74 Prozent von der ADHS bei einem Menschen kommen von den Genen.
Die Zahl beschreibt Unterschiede zwischen vielen Menschen.

ADHS hat viele Ursachen.
Dazu gehören die Gene.
Und Einflüsse aus der Umwelt.1
Viele Gene wirken zusammen.
Jedes Gen hat nur eine kleine Wirkung.4
Es gibt keine einzelne Ursache.

ADHS bei Mädchen und Frauen

Bei Kindern haben ungefähr doppelt so viele Jungen ADHS wie Mädchen.1

Oft heißt es:
Mädchen und Frauen haben öfter Probleme vor allem mit der Aufmerksamkeit.
Darum fallen Mädchen und Frauen weniger auf.

Dazu passt:
In Deutschland ist die Zahl der neuen Diagnosen bei Frauen unter 40 Jahren zuletzt besonders stark gestiegen.7

Viele Frauen erzählen:
Ich habe meine Schwierigkeiten lange ausgeglichen.
Das war sehr anstrengend.

Was oft dazu-kommt

Viele Menschen mit ADHS haben noch eine andere Diagnose.1

Bei Kindern hat ungefähr die Hälfte auch eine oppositionelle Störung vom Sozial-Verhalten.
Das bedeutet:
Das Kind wehrt sich oft gegen Regeln und gegen Erwachsene.1

Im Lauf vom Leben kommen diese Dinge bei ADHS öfter vor:1

  • Depressionen
    Das ist eine Krankheit.
    Man ist lange sehr traurig oder leer.
  • Angst-Störungen
  • Lern-Störungen
  • Tics
    Das sind plötzliche Bewegungen oder Geräusche.
    Man kann Tics schwer steuern.
  • Sucht-Probleme
  • Autismus

Viele Menschen mit ADHS haben starke Gefühls-Schwankungen.
Das ist häufig.
Aber Gefühls-Schwankungen gehören nicht zu den Haupt-Merkmalen von ADHS.

In der Gemeinschaft von Betroffenen gibt es das Wort RSD.
RSD ist eine englische Abkürzung.
Gemeint ist:
Ablehnung tut sehr stark weh.
RSD steht in keinem Diagnose-System.
Und die Wissenschaft hat RSD bisher kaum untersucht.8

Was hilft?

Seit 2026 gibt es eine neue Leitlinie für ADHS.1
Eine Leitlinie ist ein Text für Fach-Leute.
In der Leitlinie steht:
So erkennt man ADHS.
Und so behandelt man ADHS.
Die Leitlinie gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Die Leitlinie hat die höchste Qualitäts-Stufe.
Die Stufe heißt: S3.

Die Leitlinie sagt zum Beispiel:1

  • Immer
    Betroffene und ihre Familien bekommen ausführliche Infos über ADHS.
    Das Fach-Wort dafür ist: Psycho-Edukation.
  • Kinder unter 6 Jahren
    Vor allem Hilfen ohne Medikamente.
    Zum Beispiel ein Training für die Eltern.
    Vor dem vierten Geburtstag soll ein Kind keine Medikamente gegen ADHS bekommen.
  • Leichte ADHS
    Vor allem Hilfen ohne Medikamente.
  • Mittlere ADHS
    Hilfen ohne Medikamente.
    Oder Medikamente.
    Oder beides.
    Das hängt vom einzelnen Menschen ab.
  • Schwere ADHS
    Vor allem Medikamente.
    Meistens zusammen mit Hilfen ohne Medikamente.

Die Hilfen ohne Medikamente heißen: psycho-soziale Hilfen.

Die Leitlinie nennt diese Medikamente:1

  • Stimulanzien
    Das sind Medikamente, die anregen.
    Dazu gehören: Methylphenidat, Amfetamin und Lisdexamfetamin.
  • Atomoxetin
  • Guanfacin

Die Namen sind schwer.
Das sind die Namen von Wirk-Stoffen.

Du entscheidest zusammen mit deinem Arzt oder deiner Ärztin:
Ist ein Medikament gut für mich?
Und welches Medikament passt zu mir?

Hier steht nur:
Das empfiehlt die Leitlinie allgemein.
Dieser Text ersetzt keine Beratung.
Wir empfehlen kein bestimmtes Medikament.

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Quellen

Im Text stehen kleine Zahlen.
Die Zahlen gehören zu den Quellen.
Quellen sind Texte.
Aus diesen Texten haben wir unser Wissen.
Die Quellen sind in schwerer Sprache.
Viele Quellen sind auf Englisch.

  1. S3-Leitlinie ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 2.0 (AWMF 028-045), Langfassung (2026)
  2. Göbel u. a.: ADHS bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – KiGGS Welle 2. Journal of Health Monitoring (RKI) (2018)
  3. Song u. a.: The prevalence of adult ADHD – a global systematic review and meta-analysis. Journal of Global Health 11 (2021)
  4. Faraone & Larsson: Genetics of attention deficit hyperactivity disorder. Molecular Psychiatry (2019)
  5. Ashinoff & Abu-Akel: Hyperfocus – the forgotten frontier of attention. Psychological Research (2021)
  6. BfArM: ICD-11 – Stand der Einführung in Deutschland (2026)
  7. Deutsches Ärzteblatt: Inzidenz von ADHS-Spektrum-Störungen bei Erwachsenen (Studie) (2025)
  8. Rowney-Smith, Sutton, Quadt & Eccles: qualitative Studie zu Ablehnungsempfindlichkeit bei ADHS (5 Teilnehmende). PLOS One 21(1): e0314669 (2026)

Dieser Text ersetzt keine Beratung beim Arzt oder bei der Ärztin.
Stand: 26.10.2026