Autismus verstehen
Autistische Menschen nehmen die Welt anders wahr.
Autistische Menschen denken und verständigen sich oft anders.
Das Wort dafür ist: Autismus.
Autismus ist bei jedem Menschen anders.
Manche autistische Menschen brauchen viel Hilfe im Alltag.
Andere autistische Menschen leben ganz selbstständig.
Was ist Autismus?
Autistische Menschen sind vor allem in 2 Bereichen anders als neuro-typische Menschen.1
Neuro-typisch bedeutet:
Das Gehirn arbeitet so wie bei den meisten Menschen.
- Kontakt mit anderen Menschen
Die Verständigung mit anderen Menschen ist anders.
Und das Zusammen-Sein mit anderen Menschen ist anders. - Verhalten und Interessen
Autistische Menschen machen manche Dinge immer wieder gleich.
Und autistische Menschen haben oft sehr feste Interessen.
Dazu kommt oft:
Autistische Menschen nehmen Reize anders wahr.
Zum Beispiel Geräusche, Licht oder Berührungen.
Diese Reize kommen viel stärker an.
Oder schwächer.1
Im Alltag zeigt sich Autismus sehr verschieden.
Zum Beispiel so:
- Feste Abläufe sind wichtig.
Man möchte vorher wissen:
Das passiert als Nächstes. - Ein Thema ist besonders spannend.
Man beschäftigt sich sehr viel mit dem Thema.
Das Wort dafür ist: Spezial-Interesse. - Man versteht Sprache wörtlich.
- Nach Treffen mit anderen Menschen ist man sehr erschöpft.
- Man macht bestimmte Bewegungen oder Geräusche immer wieder.
Das hilft vielen Menschen, im Gleich-Gewicht zu bleiben.
Das Wort dafür ist: Stimming.
Was bedeutet Spektrum?
Früher gab es verschiedene Diagnosen für Autismus.
Zum Beispiel:
Frühkindlicher Autismus.
Atypischer Autismus.
Asperger-Syndrom.
In den USA gibt es ein Buch für Diagnosen.
Das Buch heißt: DSM-5.
Das Buch ist im Jahr 2013 erschienen.
Schon im Jahr 2012 war der Plan:
Im DSM-5 gibt es eine gemeinsame Diagnose.
Die Diagnose heißt: Autismus-Spektrum-Störung.
Auch das Asperger-Syndrom gehört dann dazu.3
In Deutschland schreiben Ärzte und Ärztinnen die Diagnose als Code auf.
Die Codes kommen aus einer Liste.
Die Liste heißt: ICD-10-GM.
Darum stehen auf vielen Befunden noch die alten Namen.
Zum Beispiel die Codes F84.0, F84.1 und F84.5.
Ein Befund ist ein Bericht vom Arzt oder von der Ärztin.6
Es gibt schon eine neue Liste.
Die neue Liste heißt: ICD-11.
Es steht noch nicht fest:
Ab wann gilt die neue Liste in Deutschland?6
Spektrum bedeutet nicht:
ein bisschen autistisch oder sehr autistisch.
Spektrum bedeutet:
Jeder autistische Mensch hat andere Stärken.
Und andere Schwierigkeiten.
Wie oft gibt es Autismus?
Die Welt-Gesundheits-Organisation schätzt:
Im Jahr 2021 war ungefähr 1 von 127 Menschen autistisch.
Das sind ungefähr 0,8 Prozent.
Das sind weniger als 1 von 100 Menschen.1
Die Abkürzung für die Welt-Gesundheits-Organisation ist: WHO.
In den USA haben Fach-Leute Kinder mit 8 Jahren sehr genau untersucht.
Zuletzt haben die Fach-Leute bei 1 von 31 Kindern Autismus festgestellt.
Diese Zahl passt nicht für Deutschland.7
Für Deutschland gibt es keine große Studie für die ganze Bevölkerung.
Das sagt die Bundes-Regierung.8
Eine Kranken-Kasse hat ihre Daten ausgewertet.
Die Kranken-Kasse heißt: hkk.
Es geht um Versicherte von 0 bis 24 Jahren.2
- Im Jahr 2013 hatten 0,4 Prozent eine Autismus-Diagnose.
Das sind 4 von 1 Tausend. - Im Jahr 2019 hatten 0,8 Prozent eine Autismus-Diagnose.
Das sind 8 von 1 Tausend. - Bis zum Jahr 2022 ist die Zahl ungefähr gleich geblieben.
Die Bundes-Regierung sagt:
Es gibt mehr Diagnosen.
Das liegt vor allem daran:
Mehr Menschen achten heute auf Autismus.8
Autismus bei Mädchen und Frauen
Lange hieß es:
4-mal so viele Jungen wie Mädchen sind autistisch.
Eine große Übersichts-Arbeit hat das genauer untersucht.
Eine Übersichts-Arbeit fasst viele Studien zusammen.
Das Ergebnis:
In Studien mit Menschen aus der ganzen Bevölkerung sind es eher 3 Jungen auf 1 Mädchen.4
Außerdem gilt:
Viele Mädchen sind autistisch.
Aber diese Mädchen bekommen keine Diagnose.
Das passiert bei Mädchen besonders oft.4
Ein Grund dafür ist Masking.
Masking bedeutet:
Man versteckt die eigenen Eigenheiten.
Viele autistische Mädchen und Frauen lernen das schon früh.
Die Forschung zeigt:
Masking ist bei den Geschlechtern verschieden.
Und Masking hängt mit schlechterer seelischer Gesundheit zusammen.9
Woher kommt Autismus?
Autismus ist stark erblich.
Erblich bedeutet:
Es hat viel mit den Genen zu tun.
Die Gene bekommt man von den Eltern.
Eine große Studie aus Schweden hat das untersucht.
Die Studie schätzt die Erblichkeit auf ungefähr 83 Prozent.
Aber die Fach-Leute sagen auch:
Die Zahl hängt von der Methode ab.5
Autismus kommt nicht von der Erziehung.
Und Autismus kommt nicht vom Impfen.
Die Forschung hat das immer wieder gezeigt.
Die WHO sagt:
Impfungen erhöhen das Risiko für Autismus nicht.1
Was oft dazu-kommt
Eine große Übersichts-Arbeit hat untersucht:
So viele autistische Menschen haben noch eine andere Diagnose.10
- ADHS:
28 von 100 autistischen Menschen - Angst-Störungen:
20 von 100 autistischen Menschen - Schlaf-Störungen:
13 von 100 autistischen Menschen - Depression:
11 von 100 autistischen Menschen
Depression ist eine Krankheit.
Man ist lange sehr traurig oder leer. - Zwangs-Störungen:
9 von 100 autistischen Menschen
Bei einer Zwangs-Störung kommen bestimmte Gedanken oder Handlungen immer wieder.
Man kann sie schwer stoppen.
Viele autistische Menschen kennen auch Reiz-Überflutung.
Das bedeutet:
Alles ist zu viel.
Zum Beispiel zu laut oder zu hell.
Unterstützung und Therapie
Das Ziel ist nicht:
Autismus heilen.
Das Ziel ist:
Belastungen werden kleiner.
Fähigkeiten werden stärker.
Und die Umgebung passt besser zum Menschen.
In Deutschland gibt es 2 Leitlinien für Autismus.
Eine Leitlinie ist ein Text für Fach-Leute.
In der Leitlinie steht zum Beispiel:
So behandelt man gut.
Beide Leitlinien haben die höchste Qualitäts-Stufe.
Die Stufe heißt: S3.11,12
- Leitlinie für die Diagnose
Diese Leitlinie ist aus dem Jahr 2016.
Die Gültigkeit von dieser Leitlinie ist inzwischen abgelaufen.11 - Leitlinie für die Therapie
Diese Leitlinie ist aus dem Jahr 2021.12
Auch Erwachsene können eine Autismus-Diagnose bekommen.
Aber das ist oft schwer.
Nur relativ wenige Stellen machen Diagnosen für Erwachsene.
Und die Warte-Listen sind lang.13
Mehr Texte in Leichter Sprache
Quellen
Im Text stehen kleine Zahlen.
Die Zahlen gehören zu den Quellen.
Quellen sind Texte.
Aus diesen Texten haben wir unser Wissen.
Die Quellen sind in schwerer Sprache.
Viele Quellen sind auf Englisch.
- WHO: Fact sheet Autism (2025)
- vdek-Magazin: hkk-Daten zu Autismus bei Kindern und Jugendlichen (2023)
- Spectrum/The Transmitter: New rules allow joint diagnosis of autism, attention deficit (zum DSM-5) (2012)
- Loomes, Hull & Mandy: What is the male-to-female ratio in autism spectrum disorder? JAACAP (2017)
- Sandin u. a.: The Heritability of Autism Spectrum Disorder. JAMA 318(12) (2017)
- BfArM: ICD-11 – Stand der Einführung in Deutschland (2026)
- CDC: Autism Data & Research (ADDM Network) (2025)
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/4918 (Antwort der Bundesregierung zu Autismus-Diagnosen) (2026)
- Cook, Hull, Crane & Mandy: Camouflaging in autism – a systematic review. Clinical Psychology Review (2021)
- Lai u. a.: Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population. Lancet Psychiatry (2019)
- S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen, Teil 1: Diagnostik (AWMF 028-018, abgelaufen) (2016)
- S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen, Teil 2: Therapie (AWMF 028-047), Kurzfassung (2021)
- CORRECTIV: Unsichtbare Barrieren – Autismus im Erwachsenenalter (2024)
- Kenny u. a.: Which terms should be used to describe autism? Perspectives from the UK autism community. Autism 20(4) (2016)
Dieser Text ersetzt keine Beratung beim Arzt oder bei der Ärztin.
Stand: 26.10.2026