Der Weg zur Diagnose
Wo fange ich an? Wer ist zuständig? Was passiert im Termin – und was kann ich vorbereiten? Beantworte drei kurze Fragen, dann zeigen wir dir deinen Weg. Alles bleibt auf deinem Gerät.
1 Drei Fragen
2 Dein Weg
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Ein Online-Test ist ein Anstoß, kein Befund
Fragebögen aus dem Internet können Hinweise geben, eine Diagnose ersetzen sie nicht.1,2
Bei ADHS werden Fragebögen laut Leitlinie nur ergänzend eingesetzt.1 Bei Autismus kann ein Screening keine differenzierte diagnostische Aussage treffen.2 Wenn du dich in einem Test wiedererkennst, ist das trotzdem ein guter Grund, das Thema anzugehen.
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Erste Anlaufstelle: eure Kinder- und Jugendarztpraxis
Sprich mit der Kinderarztpraxis über deinen Eindruck. Sie kann einschätzen und weiterleiten.
Bei ADHS kann laut Leitlinie auch eine Kinder- und Jugendarztpraxis mit Erfahrung in ADHS-Diagnostik die Diagnose stellen.1 Bei Autismus folgt auf eine erste Einschätzung eine umfassende Diagnostik an einer darauf spezialisierten Stelle.2
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Wer ADHS bei Kindern feststellt
Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie oder eine Kinderarztpraxis – jeweils mit ADHS-Erfahrung.1
Die Leitlinie nennt Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Fachpsychotherapeut:innen für Kinder und Jugendliche bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen, Psychologische Psychotherapeut:innen mit Zusatzqualifikation für Kinder und Jugendliche, Fachpsychotherapeut:innen für neuropsychologische Psychotherapie sowie Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendmedizin – jeweils mit Erfahrung und Fachwissen in der ADHS-Diagnostik.1
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Wo Autismus bei Kindern abgeklärt wird
An einer spezialisierten Stelle, zum Beispiel in der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einem SPZ: Sozialpädiatrisches Zentrum: interdisziplinäre Einrichtung für die Diagnostik und Behandlung von Kindern, meist mit Überweisung. Im Glossar.2,7
Sozialpädiatrische Zentren sind laut Gesetz für Kinder gedacht, die wegen Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung nicht von geeigneten Ärzt:innen oder Frühförderstellen behandelt werden können.7 Frag in der Kinderarztpraxis, welche Stelle in deiner Region Autismus-Diagnostik anbietet und ob du eine Überweisung brauchst.
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Unterlagen und Berichte sammeln
Gelbes Heft (U-Untersuchungen), Berichte aus Kita, Frühförderung und Schule, Zeugnisse.1,2
Die ADHS-Leitlinie empfiehlt, wenn möglich auch Pädagog:innen einzubeziehen – einschließlich schriftlicher Berichte und Zeugnisse.1 Für Autismus kann die Sichtung von Vorbefunden wie Vorsorgeuntersuchungen, Frühförderberichten und Grundschulzeugnissen hilfreich sein.2
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Zwei Wege hinein
Ohne Überweisung: psychotherapeutische Sprechstunde.5 Mit Überweisung der Hausarztpraxis: Facharzttermin, etwa in der Psychiatrie.
Für die psychotherapeutische Sprechstunde brauchst du keine Überweisung; einen Termin bekommst du direkt in einer Praxis, über die 116117 oder online.5 Auch Facharzttermine vermittelt die 116117 – dafür brauchst du aber eine Überweisung mit Vermittlungscode. Ausgenommen sind unter anderem Termine bei Haus-, Kinder- und Jugendärzt:innen.4
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Wer ADHS bei Erwachsenen feststellt
Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie, psychosomatische Medizin oder Nervenheilkunde – oder Psychotherapeut:innen.1
Die Leitlinie nennt außerdem ärztliche und psychologische Psychotherapeut:innen bzw. Fachpsychotherapeut:innen für Erwachsene oder für neuropsychologische Psychotherapie.1 Frag bei der Terminanfrage, ob die Praxis ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen anbietet.
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Wer Autismus bei Erwachsenen feststellt
Psychiater:innen, erfahrene Psychotherapeut:innen oder Spezialambulanzen. Die Hausarztpraxis kann überweisen.3
Eine Recherche von CORRECTIV fand knapp 70 Stellen für Diagnostik bei Erwachsenen, aber kein zentrales Verzeichnis. Viele Wartelisten waren geschlossen, im Schnitt wartet man mehr als zwölf Monate.3 Tipp: Lass dich auf mehrere Wartelisten setzen und sag ab, sobald du einen Termin hast.
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Unterlagen und eine Bezugsperson
Alte Zeugnisse und jemand, der dich von früher kennt, helfen sehr.1,2
Bei ADHS sollen die Angaben – sofern möglich – mit denen enger Bezugspersonen abgeglichen werden.1 Bei Autismus soll mindestens eine Person einbezogen werden, die mit deiner Entwicklungsgeschichte vertraut ist.2 Gerade bei Erwachsenen ist das oft schwierig, etwa wenn Eltern nicht mehr leben oder Erinnerungen lückenhaft sind.2 Sag das offen – dann kann die Praxis damit umgehen.
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Wenn du gelernt hast, auszugleichen
Ausgleichsstrategien können Symptome im Termin verdecken. Erzähl, was dich das Ausgleichen kostet.2
Individuelle Kompensationsstrategien können die Erkennung autistischer Merkmale erschweren.2 Mehr dazu unter Masking. Bei ADHS gilt: Symptome müssen in der Untersuchungssituation nicht auftreten.1 Beschreib deshalb konkrete Situationen aus deinem Alltag.
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Du musst nicht vorher wissen, was es ist
Zur Diagnostik gehört immer die Abgrenzung von anderen Ursachen.1,2
Gibt es Hinweise auf andere Störungen, sieht die ADHS-Leitlinie eine Überweisung zu Fachleuten vor, wenn die eigenen Möglichkeiten zur Abklärung nicht ausreichen.1 Bei Autismus wird geprüft, ob andere Störungen die Merkmale erklären und ob zusätzlich weitere vorliegen.2 Sag einfach, was dir auffällt – zum Beispiel „Ich frage mich, ob es ADHS, Autismus oder beides ist“. Mehr zu AuDHS.
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Vorher nach der Abrechnung fragen
Frag bei der Terminvereinbarung, ob mit deiner Krankenkasse abgerechnet wird.
Manche Praxen arbeiten nur privat. Wenn du gesetzlich versichert bist, frag ausdrücklich nach – dann gibt es später keine Überraschung.
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Den Befund bekommst du mit
Du darfst Einsicht in deine Akte nehmen und eine Kopie verlangen – die erste ist kostenlos.6
Das gilt laut Gesetz, soweit keine erheblichen therapeutischen Gründe oder Rechte Dritter entgegenstehen; eine Ablehnung muss begründet werden.6 Ein schriftlicher Befund hilft später, etwa für einen Nachteilsausgleich oder andere Hilfen.
3 So läuft die Diagnostik ab
Tippe eine Station an. Die Reihenfolge kann je nach Praxis anders sein, oft verteilt sich alles auf mehrere Termine.
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Ausführliches Gespräch über deine aktuellen Schwierigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen, die Entwicklung seit der Kindheit und die Familie.1
Tipp: Du darfst Notizen mitbringen und vorlesen. Wenn eine Frage unklar ist, frag nach einem Beispiel.
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Angaben von Eltern, Partner:in oder Lehrkräften und schriftliche Berichte oder Zeugnisse werden einbezogen.1
Tipp: Frag vorher, ob die Praxis Fragebögen für Bezugspersonen mitgibt – dann können sie in Ruhe ausfüllen.
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Fragebögen zur Selbst- und Fremdbeurteilung können ergänzend eingesetzt werden.1
Tipp: Es gibt keine „richtigen“ Antworten. Beantworte, wie es meistens ist, nicht wie an einem guten Tag.
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Die Fachperson beobachtet dich bzw. dein Kind im Termin. ADHS-Symptome müssen dabei nicht auftreten.1
Tipp: Wenn du im Termin ruhig und konzentriert bist, ist das kein Gegenbeweis. Sag ruhig: „Hier fällt es weniger auf, weil …“
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Eine körperliche und neurologische Untersuchung gehört dazu – macht eine Psychotherapeut:in die Diagnostik, übernimmt das zusätzlich eine Ärzt:in.1
Tipp: Bring eine Liste deiner Medikamente und Vorerkrankungen mit.
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Testverfahren können ergänzend eingesetzt werden, die Diagnose darf aber nicht allein auf Tests beruhen. Bei Schulkindern sollte zusätzlich eine Prüfung kognitiver Funktionen wie des Arbeitsgedächtnisses erfolgen.1
Tipp: Tests sind anstrengend. Du darfst um eine Pause bitten.
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Am Ende steht eine Zusammenschau mit Befund. Eine ausführliche Aufklärung (Psychoedukation: Verständliche Aufklärung über eine Diagnose – was sie bedeutet, was hilft. Soll laut ADHS-Leitlinie grundsätzlich angeboten werden. Im Glossar) soll grundsätzlich angeboten werden.1
Tipp: Frag nach einer schriftlichen Kopie und danach, was die nächsten Schritte sein können.
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Oft steht am Anfang eine orientierende Abklärung, eventuell mit einem Screening-Fragebogen. Er gibt Hinweise, aber keine Diagnose.2
Tipp: Wenn ein Screening „unauffällig“ ist, du aber trotzdem Zweifel hast, sag das.
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Ein ausführliches Gespräch, auch mit einer Bezugsperson, die die Entwicklungsgeschichte kennt – häufig mit einem standardisierten Interview (ADI-R).2
Tipp: Bezugspersonen können sich vorher Notizen zur frühen Kindheit machen: Sprache, Spiel, Freundschaften, Routinen.
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Eine standardisierte Beobachtung in gezielten Gesprächs- und Spielsituationen (ADOS-2), mindestens 40 bis 60 Minuten. Manchmal wird dabei gefilmt.2
Tipp: Frag vorher, ob gefilmt wird und wofür die Aufnahme genutzt wird.
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Bei Kindern und Jugendlichen gehört eine Entwicklungs- und Intelligenzdiagnostik dazu, bei Verdacht auch eine Sprachdiagnostik.2
Tipp: Mehrere kürzere Termine sind oft leichter als ein langer. Frag, ob das möglich ist.
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Eine internistisch-neurologische Abklärung schließt andere Ursachen aus; manchmal folgen Labor- oder weitere Untersuchungen.2
Tipp: Bring vorhandene Arztbriefe und das gelbe Heft mit.
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Es wird geprüft, ob andere Störungen die Merkmale erklären und ob zusätzlich weitere vorliegen.2
Tipp: Erzähl auch von Ängsten, Erschöpfung oder Schlafproblemen – das gehört zum Bild.
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Die Diagnose entsteht aus der Zusammenschau aller Ergebnisse. Erfasst werden sollen dabei auch Kompetenzen, nicht nur Schwierigkeiten.2
Tipp: Frag nach einer schriftlichen Kopie des Befunds und was er für Hilfen bedeutet.
4 Deine Checkliste
Alles vorbereitet. Du hast an alles gedacht, was auf deiner Liste steht. Gut gemacht.
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5 Vorlagen zum Kopieren
Telefonieren kostet viele Menschen viel Kraft. Mit diesen Texten geht es auch schriftlich. Ersetze einfach, was in [Klammern] steht.
E-Mail: Anfrage für eine Diagnostik
Betreff: Anfrage Diagnostik (ADHS / Autismus) Guten Tag, ich suche einen Termin für eine diagnostische Abklärung auf [ADHS / Autismus / beides] für [mich / mein Kind, Alter: …]. Ich bin [gesetzlich / privat] versichert bei [Krankenkasse]. Könnten Sie mir bitte mitteilen, – ob Sie diese Diagnostik anbieten, – ob Sie mit meiner Krankenkasse abrechnen, – ob ich eine Überweisung brauche und – ob ich auf eine Warteliste kommen kann? Telefonieren fällt mir schwer. Ich freue mich über eine Antwort per E-Mail. Viele Grüße [Name] [Telefonnummer, falls gewünscht]
Spickzettel fürs Telefonat
„Guten Tag, mein Name ist [Name]. Ich suche einen Termin für eine Diagnostik auf [ADHS / Autismus] für [mich / mein Kind].“ Meine Fragen: 1. Bieten Sie das an – auch für [Erwachsene / Kinder]? 2. Rechnen Sie mit meiner Krankenkasse ab? 3. Brauche ich eine Überweisung? 4. Wie lange ist die Wartezeit, gibt es eine Warteliste? 5. Kann ich Unterlagen vorab schicken? Wenn ich gerade nicht weiterweiß: „Darf ich Ihnen das per E-Mail schicken?“
E-Mail: Bitte um Kopie des Befunds
Betreff: Bitte um Kopie meiner Unterlagen Guten Tag, ich bitte um eine Kopie meines Befunds bzw. meiner Behandlungsunterlagen (§ 630g BGB), gern als PDF. Name: [Name] Geburtsdatum: [Datum] Termin(e): [Datum] Vielen Dank und viele Grüße [Name]
Wenn das Warten schwer wird
Die Wartezeit auf eine Diagnose ist kein Grund, mit Belastung allein zu bleiben. Bei akuter Not kannst du dich jederzeit an deine Hausarztpraxis wenden oder die TelefonSeelsorge anrufen: 0800 111 0 111, rund um die Uhr.8
Austausch mit Menschen, die den Weg kennen, findest du in der Gemeinschaft von Neuroknoten und unter Hilfen und Anlaufstellen.
Quellen
- S3-Leitlinie ADHS, Version 2.0 (AWMF 028-045), Langfassung, Empfehlungen 1.1.2 bis 1.1.6 (2026)
- Rössler: Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen. In: Gebhardt, Scheer & Schurig (Hrsg.), Handbuch der sonderpädagogischen Diagnostik, S. 403–420 (orientiert sich an der S3-Leitlinie Autismus, Teil Diagnostik, Fassung 2016) (2022)
- CORRECTIV: Unsichtbare Barrieren – Autismus im Erwachsenenalter (2024)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Terminvermittlung
- 116117: Psychotherapie – so kommen Sie zu einem Termin
- § 630g BGB – Einsichtnahme in die Patientenakte
- § 119 SGB V – Sozialpädiatrische Zentren
- TelefonSeelsorge
Mit „Tipp“ gekennzeichnete Hinweise sind Erfahrungswissen aus der Community, keine fachliche Empfehlung. Dieser Wegweiser ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Stand: 26.10.2026.